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letztes Update 24.05.2012 |
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Bei strömendem Regen wurden 30 Feldbetten (für die gesamte Truppe und unsere Patienten) auf unser Führungsfahrzeug (Vito) verladen und am Offenburger Ei durch ein Fahrzeug der Malteser Freiburg übernommen. Danach bestiegen wir unseren Vito und begannen unseren Einsatz wie jede richtige Pilgerreise: wir baten Gott um seinen Reisesegen. Wir wollten nach Köln um IHN anzubeten und das zu tun, was die Malteser immer schon taten - Pilger versorgen und ihren Problemen abhelfen. Das sollten wir reichlich tun können! Erster Haltepunkt Autobahnrastplatz Bühl: Treffen mit den Freiburger Kollegen, Verteilung auf unsere Fahrzeuge und Bildung der Marschkolonne. Führungsfahrzeug unser Vito, dann ein Sprinter plus Hänger mit Klamotten, der Arzt-Trupp-Wagen aus Freiburg mit Sanitätsmaterial und als Schlussfahrzeug der große LKW mit technischem Gerät. Die Malteserkolonne zieht Aufmerksamkeit auf sich. Je näher wir der Stadt Köln kommen, desto spürbarer wird: wir sind auf einer Pilgerroute. Als Kolonne müssen wir Marsch-geschwindigkeit mit 80 KM/h halten. Daher überholen uns ständig Busse aus allen Teilen Deutschlands und vielen Europäischen Ländern, viele mit Weltjugentags-Transparenten. So bei hundert höre ich auf, zu zählen. In allen sitzen Jugendliche, viele winken und lachen uns zu. Unser gemeinsames Fahrtziel ist klar: Auf Wiedersehen beim WJT! Der Regenhimmel reißt auf. In langen bunten Bändern strömt die Jugend der Welt in das altehrwürdige Colonia. Wir fahren aber schon vor Köln raus. Die Gesamtschule Hennef ist unser Ziel. Die Erstmann-schaften werden hier untergebracht. Einchecken in die Unterkunft. Zunächst aber warten und die Fahrzeuge parken.
Spätestens jetzt wird deutlich, was das Leitwort bedeutet: Malteser ist man nicht allein. Ca. 500 Helfer werden mit uns in Hennef sein, weitere Malteser sammeln sich in Kerpen und Frechen. Das Unterkunftsgelände gleicht einer Fahrzeugschau. Vom Turbo-Motorrad mit Rettungsdienstequipment über die unterschiedlichsten Einsatzfahrzeuge der Schnelleinsatzgruppen aus allen Teilen der Republik: neuste Technik neben unverwüstlichen, liebevoll nachgerüsteten und in Schuss gehaltenen Oldies, der Notarztzubringer neben den unverzichtbaren "Kaltblütern" des Katastrophenschutzes: geländegängige, zuverlässige Arbeitspferde mit Malteserkreuz. Das Parkgelände eine einzige Botschaft: WJT - wir sind bereit! Dann erhalten wir unsere Pilgerausweise mit der Registriernummer, die jeder Pilger hat. Unser Umhängeausweis ist rot für den Sanitätsdienst, dazu kommt eine Malteser - Kennkarte. Ohne diese ist kein Einlass in die Unterkunft, auch nicht, wenn man vom Duschen kommt! Gleich nach der Ankunft heißt es unser Klassenzimmer beziehen und für 22 Leute Feldbetten bauen. Drangvolle Enge: der Weg zum Bett ist freizuhalten, denn das Zimmer besteht anschließend aus wenig mehr als Feldbettbespannung und dem Weg dorthin - mehr ist nicht drin. Alles Gepäck wird unter die Betten gepackt.
In Hennef - und parallel in den anderen Unterkünften - findet ein Eröffnungsgottesdienst der Malteser statt. Trotz Nieselregen sehr eindrucksvoll. Unter der Leitung des Ortspfarrers der Liebfrauenkirche von Hennef und mit sechs Malteserpfarrern in Messgewändern in Malteserrot mit dem achtspitzigen Malteserkreuz auf dem Rücken. Darunter auch die Pfarrer des polnischen und irischen Kontingents, die bei uns untergebracht sind.
Spät am Abend noch ein Abstecher in die Liebfrauenkirche. Dort erleben wir den liturgischen Tanz einer peruanischen WJT-Gruppe und die Ansprache einer aktiven Malteserin aus Hennef, die sich erkundigt, wie es uns in der Gesamtschule geht. Die schöne Marienikone erinnert uns an "unsere" Liebe Frau von Philermos - ein schöner Abschluss dieses Festtages.
Auf dem Heimweg treffen wir 3 junge Nachtschwärmer auf der Suche nach ihrer Freundin, die sie abholen will: sie stehe "hinter einem Malteser-Auto" - gemeinsam lachen wir uns den berühmten Ast..... Auch während des Dienstes machen die Fahrzeuge Laune und tragen zu einem echten Malteser-Feeling bei. Es ist wie der Beginn eines Familienfestes, überall werden wir in den nächsten Tagen Maltesergeschwistern begegnen. Wann immer sich die Wege unserer Fahrzeuge im Großgebiet Köln kreuzen, wächst das Gefühl des Miteinanders mit jedem Gruß und Gegengruß. Auch diese Begegnungen weben das bestehende Malteser-Netz immer enger.
Der erste Tag dient der Erkundung: Stippvisite in Köln. Riesenstimmung am Domplatz, tausende Jugendlicher sind auf der Domplatte, schwenken Fahnen, singen Lieder, spontane Darbietungen der Brasilianer mit ihren Trommeln, das erste mal hört man das Be-ne-detto der Italiener - und mit auf dem Platz ein umfunktionierter Linienbus der Malteser aus Euskirchen herztechnische Hilfestelle mit Herz.
Mit der bunten Menge machen wir IHM unseren Antrittsbesuch im Kölner Dom, zum Altar der Stadtpatrone, dem Schrein der Hl. Drei Könige, die als erste kamen "um IHN anzubeten" und auch der Altar "unseres" Johannes des Täufers wurde gefunden! Während ein Teil der Truppe versucht, zum Eröffnungsgottesdienst durchzudringen, macht sich ein Teil zur Unterkunft auf. Wir sind in Reserve!
Hinweis: den Hohen Dom zu Köln kann man virtuell unter www.koelner-dom.de besuchen! Ein spätes Zusammentreffen aller an diesem Abend. Die Verkehrsverhältnisse in Köln sind kritisch, teilweise zusammengebrochen, Bahnhöfe aus Sicherheitsgründen gesperrt worden. Dann ein schwerer Schock: Frère Roger, der Gründer der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé ist ermordet worden. Dass sich die erste Befürchtung, das könnte in Köln passiert sein nicht bewahrheitet, tröstet nicht wirklich. Frère Roger hat gerade unserer Generation und der Ökumene so viel gegeben!
Am nächsten Morgen wird Pater Gabriel (SMOM) - einer der Malteser, die auf ihren grellroten Einsatzjacken unter dem Rückenschild "Malteser" das Klettschild "Priester" oder "Seelsorger" tragen - die allgemeine Trauer aufnehmen und in der täglich angebotenen Morgenmesse mit den Gebeten der Anwesenden (viele davon aus unserer Truppe) vor Gott tragen. Beim Essenfassen danach haben wir Vorfahrt, weil wir gleich anschließend in den Einsatz gehen. Leider ist das dem Kurzschluss bei der Küchentruppe egal. Der Koch hat zwar schon die Feldküche angeworfen, bis das Essen fertig ist, müssen wir aber schon im Zielgebiet sein. Als ob wir es geahnt hätten sind unsere Futtersäcke vom Frühstück gut gefüllt - eine Vorsichtsmaßnahme, die ihren Wert über den Tag hinweg erweisen wird. ....und noch ein "Kurzschluss" hatte uns zuvor getroffen: "Doc.-napping"!! Unser Offenburger Arzt wird zu einem der Bayerischen Trupps abgezogen, um deren Schlagkraft zu erhöhen. Ein Rettungs-Sanitäter unseres Teams begleitet ihn. Malteser sein heißt eben auch teilen und zuspringen. Dann endlich erster Einsatz beim Aachener Weiher:
Einspielen der Truppe beim Zeltaufbau. Schon bald zeichnet sich der Schwerpunkt der Hilfeleistungen ab: Füße mit Blasen und allgemeine Erschöpfung. Insgesamt aber gute Stimmung und auch hier wieder Fahrzeuge: ein ganz wichtiges Gefährt im Dienst der Malteser - der Rollstuhl. Beim Aachener Weiher hat die Jugend des Malteserordens ein Camp für behinderte Pilger errichtet. Sie fahren mit ihren blauen Mützen durch den Park zum Musikfestival. Man winkt sich zu - Familie eben! Kurz darauf hoher Besuch: Freiherr v. Heereman, Präsident der Malteser in Deutschland kommt kurz vorbei "um nach dem Rechten zu sehen". Nach kurzem freundlichem Gespräch geht seine Besuchstour weiter - er will möglichst alle "seine" Malteser beim WJT aufsuchen. Für uns heißt es auch weiterziehen und die UHS neu aufbauen: Ziel Universitätswiesen. Dort ist ein nächtliches Kino mit Großleinwand zu betreuen. Aufgrund der Lage entscheiden wir, nur das Aufblaszelt zu stellen. Irgendwie witzig, neben der ständig aufgeblasenen Großleinwand unser orangenrotes Malteserzelt mit derselben Technik "aufzupusten". Der Einsatz selber recht unspektakulär: wieder Blasen - allerdings richtige Riesendinger unter allen Zehen, die selbst erfahrenen "Blasenguckern" Respekt einflößen. Mit Einbruch der Nacht gesellt sich eine mobile UHS aus Bayern zu uns. Ihr Auftrag uns zu verstärken beschränkt sich mangels Verletzter allerdings auf den Verzehr selbst besorgter Pizza. Nicht nur die Versorgung der Pilger hat mit dem Problem zu wenig / zu spät oder gar nicht zu kämpfen....
23.30 Uhr Einsatzende - ich ernenne mich angesichts der Blasenstatistik zur unumstrittenen Chef-Pediküre unserer Truppe. Mitten in den Materialabbau trudelt ein Versorgungsfahrzeug bei uns ein. Seine beiden echt köllsche Jongs haben uns trotz Schleichwegefahrt erst jetzt erreicht. Man beschließt, im Konvoi durch Köln zur nächstgelegenen Malteserwache zu fahren und sich dort zu verpflegen. Nachtfahrt: der Essensbully vorneweg, dann unsere Kolonne und die mobilen hinterher. Beim Halt an einer roten Ampel stehen wir neben einer Gruppe Jugendlicher, die am Straßenrand läuft. Plötzlich kriegen wir bis zur Grünphase etliche La-Ola-Wellen ab. Dabei singen die Jugendlichen: "Maaaaaaaaaaalteser!" - da geht einem doch das Herz auf! Dieses Erlebnis war irgendwie auch symptomatisch für den WJT: viel und lang was los, gute Stimmung, schon stressig aber keine Gewalt und keine Drogenlagen wie bei anderen Großveranstaltungen. Im Hof der ausgeleuchteten Malteserwache steht schon ein Katastrophenschutz-Bus der Kaiserslauterer Malteser. Man empfängt uns und eine weitere UHS aus der Diözese Eichstätt mit reinstem pfälzer Dialekt und heißem Kaffee (mhhh!!!). Danach gibt es kurzes Fahrzeug-gucken in der Garage und - man muss es mögen - Rotkraut mit Braten und Knödel im Stehen unter nächtlichem Himmel im Betriebshof der Wache. Aber auch hier erweist sich eine alte "Katastrophenschutzerfahrung": eine gute Versorgung macht auch eine zeitliche Verzögerung und längeres Magenknurren schnell vergessen.
Nach kurzer Wartezeit kommt dann der Zur-Ruhe-Befehl. Die Lage in Köln ist so weit abgeschmolzen, dass die noch in Bereitschaft gehaltenen Einsatzkräfte einrücken können. Irgendwann fällt dann in den frühen Morgenstunden meine Orientierung dem monotonen Motorengeräusch zum Opfer und ich erwache gerade wieder, als wir uns auf dem großen Parkplatz in die Malteserflotte einreihen. Mein Kompliment an die Kondition unserer Fahrer und ein stiller Dank auch an den Hl. Christopherus. Jetzt rasch durch die Einlasskontrolle mit Ausweischeck und kurzes Zusammenstehen zwecks Auftragsausgabe für den nächsten Tag. Es ist 02:00. Florian unser Einheitsführer strahlt und zeigt das Victory-Zeichen: "Wir werden den Papst sehen!" ruft er. Unser Auftrag: Einsatz auf den Poller Wiesen am Rheinufer, wo Papst Benedikt erwartet wird. Dort den Abschnitt Kölner Südbrücke sichern! Wecken um 06:30. Also nichts wie ab auf die Feldbetten. Erstaunlich, wie komfortabel die plötzlich sind ;-).
Einsatz auf den Poller Wiesen: Beim Beziehen der Einsatzstelle parken wir neben den Rosenheimer und Traunsteiner Fahrzeugen bis die Sicherheitsleute die Einfahrt freigeben und jeder seine Stellung bezieht. Dabei entdecken wir auf der gegenüberliegenden Rheinseite wieder eine Malteserkolonne. Der große Magirus Allrader ist dabei. Es müssen also die Malteserkollegen aus Celle und Hannover sein - und schon ist ein regelrechtes Wettrennen im Gange, wer die UHS (=Unfallhilfsstelle) als erstes stehen hat. Anfangs skeptische Blicke: unsere UHS ist direkt unter einer Eisenbahnbrücke. Durchfahrende Züge bringen einen Heidenlärm mit sich. Im Laufe des Tages werden wir den Wert aber noch zu schätzen wissen. Die Brücke spendet Schatten - auf den Poller Wiesen sonst nicht zu haben. Rasch wird das Gelände mit Absperrzaun gesichert, das Erstsichtungs- und Intensivzelt aufgeschlagen und eingerichtet, dann das Sanitätszelt für die weitere Behandlung und/oder die Aufnahme bei Spitzenanlauf. Zum Schluss noch das Personalzelt. Schon während des Aufbaus kommen fragende Pilger auf uns zu: "Wo ist die Essensausgabe? Wo ist die Wasserstelle für die Pilger? Warum sind die Toiletten noch nicht auf?" Hier heißt es mit viel Geduld Auskunft zu geben und auch mal Abhilfe zu schaffen. Im Wege der Selbsthilfe werden die verschlossenen WCs ihrer Bestimmung übergeben und die WJT-Orga veranlasst, dass abgestellte Wasser (!) wieder aufzumachen. Na wenn das keine echten Hilfeleistungen sind! Schon früh füllen sich die Poller Wiesen. Ein Trupp Spanier fällt quer über die Wiese ein. Ihnen voraus ein riesiges spanisches Banner und im Schlepp ca. 50 Leute die das Lied "Eviva Espana" singen. Kurz darauf die Italiener mit Ihren markanten blauen Schlapphüten - und wieder stecken Sie die ganzen Pilger an mit ihrem Be-ne-detto! Die Brasilianer trennen sich nie von ihren Trommeln. Eher schon mal unfreiwillig von einem ihrer Gruppenmitglieder, das Dank eines Telefonats bei uns wieder eingesammelt wird. Auch eine Gruppe französischer Behinderter lagert bei uns. Sie haben zwar ihre eigene Ärztin dabei, werden unsere UHS aber mehrfach benötigen - uns parallel zur medizinischen Versorgung auch den Dienst psycholo-gischer Betreuung ermöglichen. Eine Gruppe aus der Provence hat gleich mehrfach Pech: sie verlieren einen der so wichtigen Pilgerausweise, zwei Mädchen sind vom Fußmarsch von der Schule, in der sie untergebracht sind, den hohen Temperaturen und zu wenig Schlaf wegen der Anreise völlig entkräftet zusammengeklappt. Eine dritte Teilnehmerin wird sich während des Ansturms, als Papst Benedikt endlich erscheint, eine Schnittverletzung durch eine Rheinuferscherbe zuziehen....
...ja, ja. Füße in allen Perspektiven: internationale Blasen unter und zwischen den Zehen, Stiche, Splitter, umgeknickt, geschwollen und sogar gebrochen; dann Hitzeschäden jeglicher Art und auch massive Kreislaufprobleme sind unsere Hauptthemen. Schnell sind die Zeltplätze voll. Besondere Anforderungen an die Betreuungsleistung: es muss rationell und straff von statten gehen - dabei aber umsichtig und dem eigenen Malteseranspruch gerecht werdend: für die Pilger mit Herz und Seele dazusein, neben dem handwerklichen Helfen auch an die Menschen heranzugehen und ihnen als "unseren Herren Kranken" zu dienen!
Die schönste Belohnung hierfür waren die zahlreichen herzlichen Abschiedsgrüße unserer Patienten in allen Sprachen "good to know somebody cares!" - "merci beaucoup et bonne courage!" ....ach ja, und irgendwann muss hinter der Zeltplane Benedikt, der XVI. seines Namens, erschienen sein und gesprochen haben....... Als der Trubel am größten ist, erklingt ein bayerisches "Grüß Gott! Mir san eure Verstärkung." Eine mobile UHS trifft bei uns ein. Rasch unser orangefarbiges Aufblaszelt für die Passauer aufgestellt und eingerichtet: "sauba sog i", sagen die - und weiter geht die Aufnahme im Zelt. Die Arztbesprechung muss noch kurz warten, unser Doc. klärt noch eben eine Behandlung ab, dann kommt der Patient ins Versorgungszelt: "Besonders gut überwachen, hier ist ein Rettungswagen erforderlich!" Über Funk wird dieser angefordert. Gleichzeitig bringt einer unserer Außentrupps den nächsten Kreislaufkollaps rein, der zweite Trupp ruft den Arzt zu einer Abklärung. Die "heiße" Phase läuft ganz wörtlich! "Hallo hier ist Florian Köln, wir sind euer Rettungswagen" - in Spitzenzeit schaffen die Rettungsdienstkoordinatoren den Zugriff auf die einzelnen UHS. Schnell den Pilger mit dem Rippenbruch übergeben und los geht's. Nur wenige Minuten später kommt der Rettungs-wagen der Malteserwache Köln-Porz. Eine Fahrt für die Lady aus Texas mit dem gebroche-nen Fuß. Parallel zur Arztübergabe kurzer Austausch am Fahrzeug: "Wie ist die Lage? Wie sieht's aus mit dem Verkehr?" "Stufe "rot" - alle Mannschaften in vollem Einsatz, die Stadt ist sehr dicht, das Vorwärtskommen für die Rettungsdienste aber noch o.k. - der Hauptbahnhof ist wohl blockiert." Die Passauer ziehen inzwischen ab. Sie werden in der Innenstadt gebraucht: "Macht's gut und nehmt auf alle Fälle noch Wasser für Euch mit!" Papst Benedikt ist schon in der Kölner City unterwegs. Er wird sich dort in den Straßen zeigen und sein Werk des Menschenfischens fortsetzen. Dabei wird er etliche Strecken-sicherungen der Malteser passieren. Und dann gab es da noch die besondere Ehre einer "liturgischen Hilfeleistung": Eine französische Pfadfindergruppe will ihren Besuch am Rheinufer mit einer Messe krönen. Ihr Priester hat alles was er braucht - nur keinen Altartisch. "Avez vous.....?". Mit großer Freude stellen wir ihnen unseren geeignetsten Tisch zur Verfügung. Ein Tuch hat Monsieur Pfarrer mit dabei. So hat die SEG Freiburg nun einen echten "Tisch des Herrn" mit im Einsatz. Die Poller Wiesen leeren sich langsam. Die Menschen sitzen noch beieinander. Aufgeregt kommt eine Betreuerin zu uns: "Aidez nous! Helft uns!" die frz. Behindertengruppe hat Marie-Claire verloren, eine junge Frau mit Behinderung. Sofort werden die Daten aufge-nommen, übersetzt und an die zuständige WJT-Zentrale weitergemeldet. Alle UHS sind über Funk, Mobiltelefon und das Internet permanent an die Einsatzleitung angebunden. Schon in der Abenddämmerung noch ein kurzer Besuch des Rettungsdienst-Motorrads der Malteserstaffel Aalen, die auch als Krad-Melder eingesetzt sind: "Bei euch alles o.k.?" "Ja. Wir hatten alle Hände voll zu tun, Dauerstress im Zelt mit zig Hilfeleistungen. Jetzt wird es merklich ruhiger." Bald heißt es Aufräumen, alles checken und auffüllen, Zelte einziehen, Laster verladen. Auch die benachbarte UHS packt ein - Wiedersehen mit Christian, unserem Offenburger Arzt. "Hast Du Deinen Koffer gerade mal griffbereit? Wir brauchen noch mal schnell ein Pflasterstreifchen." Dann die Meldung an die Einsatzleitung: UHS K-01-FR ist wieder frei und einsatzklar. "Verstanden. Mithören und für eine Durchsage bereit halten!" Nacht fällt über die Poller Wiesen. Über die Rheinbrücke zieht eine Fahrzeugkette. Ihr Blaulicht verschwimmt mit der imposanten Beleuchtung der Fassade des majestätischen Doms. Ihr Licht wird so auch erhellt von Seinem Licht - auch sie sind gekommen, um IHN anzubeten und für IHN unseren gemeinsamen Dienst zu tun. Der Funk läuft; in der Innenstadt geht die Post ab: im Geist ziehen wir mit der Kolonne der Malteserkollegen zum Hauptbahn-hof - macht Eure Sache gut! Neben den Begegnungen der Kolonnen webt auch der Funkverkehr unablässig dieses alle verbindende Malteser-Netz. Der Einsatz ist zu Ende, die Lage in der Stadt aber noch nicht. Alle Malteser müssen sich in Bereitschaft halten, bis sich die Anforderung von "rot" auf "grün" reduziert hat. Eine Mannschaft nach der anderen meldet sich einsatzklar. Wie einzelne Perlen zieht der Funker der Einsatzleitung "seine" Malteser auf eine Kette - eine Einheit nach der anderen. Da ist Osnabrück, die Malteserkollegen, deren Verpflegungs-trupp uns zusammen mit den Paderbornern in Hennef bekocht, da meldet sich Johannes Isar - die Münchner "sind auch noch wach", und und und... Nach einer kurzen Phase "rot" erfolgt die Durchsage: zurück zur Unterkunft. Dort hält der Küchentrupp die Töpfe warm bis die letzte UHS zurückkommt - und wenn es 04:00 wird. Nach kurzem Essenfassen die frohe Kunde, dass morgen Ausschlafen angesagt ist. Dann auch Begegnung mit der zweiten Schicht aus Freiburg. Um allen Freiwilligen die Möglichkeit der Teilnahme zu lassen, hatten wir eine Dauerschicht mit einem Kombi-Zwei-Schicht-System vereinbart. So konnte die zweite Schicht nun zu uns stoßen; für die erste (meine) Schicht hieß diese Vereinbarung aber nun Abschied nehmen. Während sich unsere Truppe also am Freitag in Einsatzkleidung ausgeschlafen (!) zum Gruppenbild und zur Auftragsbesprechung traf, waren wir "Erstschichtler" zum Abschied angetreten. Ich habe schon so manchen Einsatz mitgemacht, aber so schwer, wie dieses Mal ist es mir noch nie gefallen, aus einem Mehrschichteinsatz zu gehen. Die gemischte Truppe des ersten Tages war zu einer echten Einheit verschmolzen und das war ein tolles Gefühl des Zutrauens und Verlassenkönnens. Die Fernsehbilder der kommenden Tage sah ich zum einen begeistert, zum anderen aber auch mit der Träne im Knopfloch und dem Herzen bei "unserer Truppe". Und genau das hat mich dann getröstet: dass wir Malteser eine große begeisterte Truppe Sein können - auch wenn die einen im Dienst und die anderen zu Hause in Bereitschaft sind.
Ich bin für diese Erfahrungen (in) der Maltesergemeinschaft sehr dankbar - meiner Schicht, unserer Truppe, allen Maltesern denen wir begegnet sind, den vielen Menschen, denen wir helfen durften und vor allem IHM, den anzubeten wir nach Köln gekommen waren. P. Skiba Malteser Offenburg
Inhaltliche und fotographische Anmerkungen: Besonderer Dank für die Bildmotive gilt den Kollegen Jens Feger und Michael Quarti! |
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